Verweigerte Wohnungsbesichtigung wegen ethnischer Herkunft rechtfertigt Schadenersatz

Verweigerte Wohnungsbesichtigung wegen ethnischer Herkunft rechtfertigt Schadenersatz

Wird ein Wohnungssuchender aufgrund seiner ethnischen Herkunft nicht zur Wohnungsbesichtigung eingeladen, steht ihm nach § 21 Abs. 2 AGG eine Entschädigung zu.

Quelle: | Nichteinladung zur Wohnungsbesichtigung wegen Herkunft

WKR-Erklärung: Indizien für eine (ethnische) Benachteiligung können auch durch fiktive Bewerbungen im sogenannten. „testing-Verfahren“ gewonnen werden.

Eine Mietinteressentin mit türkisch klingendem Namen, hatte sich nach Wohnungen erkundigt, die eine Vermieterin im Internet anbot und um Besichtigungstermine gebeten. Stets erfolglos. Ein Bekannter der Frau gab sich daraufhin mit fiktiven deutschen und türkischen Namen als  Mietinteressent für die gleichen Wohnungen aus, um dem Verdacht nachzugehen, dass den Absagen der Vermieterin, ein Auschlussansinnen  gewisser Ethnien zu Grunde läge. Das bestätigte sich. Alle deutsch klingenden Namen erhielten eine Einladung zur Wohnungsbesichtigung, alle türkischen Namen nicht.

Die Mietinteressentin reichte nunmehr Klage beim Amtsgericht Barmbek ein. Dieses gab der Klage statt und verurteilte die Vermieterin zu einer Entschädigungszahlung in Höhe von drei Monatsmieten. Als Begründung führten die Richter an, dass die Geschädigte hinreichende Indizien (§ 22 AGG) dargelegt habe, aus denen sich eine Benachteiligung wegen ihrer ethnischen Herkunft ergebe. Das „testing-Verfahren“ des Bekannten der Frau sei zulässig gewesen. Die Benachteiligung der Klägerin liege bereits darin, dass sie nicht zur Wohnungsbesichtigung eingeladen worden war und ihr damit die Chance verwehrt blieb, den Mietvertrag abzuschließen. (AG Hamburg-Barmbek / 811b C 273/15, WuM 2017)

 

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