Urteil: BGH befürwortet Umgangsmodell

Urteil: BGH befürwortet Umgangsmodell

BGH befürwortet Umgangsmodell, das gemeinsamen Alltag mit beiden Elternteilen möglich macht

Scheidungskinder haben einen Anspruch auf Umgang mit beiden Elternteilen. In der Praxis ist die Einteilung in Alltags-Elternteil und Wochenend-Elternteil immer noch üblich, obwohl das dadurch geschaffene Rollenmodell problematisch ist. Im Familienrecht Anwalt zu sein, bedeutet deshalb auch, Kindeswohl und Elterninteressen koordinieren zu helfen. Der Vater eines jetzt 13-jährigen Sohnes wollte sich nicht mit der herkömmlichen Wochenend-Besuchsregelung zufriedengeben, sondern auch den Alltag mit seinem Kind teilen. Er beantragte bei der Familienabteilung des Amtsgerichts Schwabach eine Umgangsregelung mit regelmäßig wechselnder Versorgung des Kindes in beiden Elternhaushalten.

Wechselmodell widerspricht dem Gesetz nicht

Das Familiengericht wies seinen Antrag mit dem Hinweis darauf ab, dass im Familienrecht eine derartige Regelung nicht vorgesehen sei. Auch das Oberlandesgericht Nürnberg wies den Antrag in der Beschwerdeinstanz zurück. Im Interesse des Kindeswohles müsse ein einziger Lebensmittelpunkt festgelegt werden, dem ein Umgangsrecht in Form eines Besuchsrechts gegenübergestellt wird. Auf die Rechtsbeschwerde des betroffenen Vaters hin hat der Bundesgerichtshof (BGH) am 01.02.2017 zu dem Aktenzeichen XII ZB 601/15 eine Entscheidung verkündet, die besonders den Vätern, die sich mit der Besucherrolle auf Dauer nicht zufriedengeben wollen, entgegenkommt. Die ranghöchsten Familienrichter in Deutschland haben das Wechselmodell als eine Möglichkeit anerkannt, Aufenthaltsbestimmungsrecht und Umgangsrecht gerichtlich festlegen zu lassen.

Kindeswohl stellt hohe Anforderungen an Absprache- und Kompromissfähigkeit

Der BGH stellt in seiner Entscheidungsbegründung klar, dass keine gesetzliche Regelung es Eltern mit gemeinsamem Sorgerecht verbietet, das Wechselmodell als Grundlage für die gemeinsame Versorgung des Kindes zu beantragen. Dabei weisen die Richter darauf hin, dass selbstverständlich auch hier, wie in allen anderen Fragen des elterlichen Sorgerechts, das Kindeswohl absoluten Vorrang haben muss. Daraus ergeben sich hohe Anforderungen an die Bereitschaft und die Fähigkeit der Eltern, im Alltag immer wieder Absprachen zu treffen und Kompromisse zu schließen. Der BGH stellt klar, dass diese Kooperationsfähigkeit Voraussetzung für die wechselseitige Versorgung des Kindes im jeweiligen Haushalt des Elternteils ist. Die wechselseitige Versorgung ist ausgeschlossen, wenn sie dazu benutzt werden soll, verstärkte Kompromissbereitschaft einzufordern.

Stress für das Kind möglichst geringhalten

Die Richter erkennen, dass sie dem Kind durch den ständigen Wechsel zwischen zwei Lebensmittelpunkten einen erhöhten Stress zumuten. Das ist nur dann angemessen, wenn das Ziel, die harmonische Bindung an beide Elternteile auch in der Alltagssituation zu stärken, erreicht werden kann. Bei Auseinandersetzungen im Familienrecht Anwalt zu sein, setzt immer Einfühlungsvermögen voraus. Unsere spezialisierten Rechtsanwälte wissen, dass im Bereich von Sorgerecht und Umgangsrecht besondere Sensibilität in der Argumentation notwendig ist. Wird die Zusammenarbeit mit dem geschiedenen Ehepartner allzu energisch verweigert, droht im Extremfall der Sorgerechtsverlust.

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