Unfallzusatzversicherung – Einstandspflicht bei Unfall durch Sekundenschlaf 

Unfallzusatzversicherung – Einstandspflicht bei Unfall durch Sekundenschlaf 

Ein durch Ermüdung bedingter Sekundenschlaf rechtfertigt im Falle eines Unfalls, keinen Leistungssauschluss seitens der Unfallzusatzversicherung.

Quelle: Urteil > 1 U 107/12 | OLG Zweibrücken – Unfallzusatzversicherung muss für tödlichen Unfall aufgrund Sekundenschlafs einstehen < kostenlose-urteile.de

WKR-Erklärung: Eine Unfall­zusatz­versicherung ist zur Todesfallleistung verpflichtet, wenn die versicherte Person aufgrund eines durch Übermüdung bedingten Sekundenschlafs einen tödlichen Unfall erleidet. Eine Leistungspflicht besteht nur dann nicht, wenn der Sekundenschlaf krankheitsbedingt erfolgte.

Ein Autofahrer war nach auffälliger Fahrweise tödlich verunglückt. Der Sachverständige ermittelte im Anschluss, dass die auffällige Fahrweise mit sehr hoher Wahrscheinlichkeit auf einer Bewusstseinsstörung in Zusammenhang mit einem wiederholten Sekundenschlaf beruhte, der wiederum mit einer krankhaften nächtlichen Atemregulationsstörung erklärt werden könnte. Eine Hinterbliebene des Verunfallten hatte für dessen Todesfall zwei Unfallzusatzversicherungen abgeschlossen. Diese beanspruchte sie nun. Die Versicherungen lehnten die Leistungen jedoch ab und beriefen sich auf die Aussage des Gutachters, der eben eine krankheitsbedingte Ursache des Sekundenschlafs nicht ausschloss. Die Hinterbliebene klagte.

Das Landgericht Kaiserslautern wies die Klage  allerdingsab, da es ebenfalls dem Fazit des Sachverständigen folgte. Die nächste Instanz, das Oberlandesgericht Zweibrücken bejahte den Leistungsanspruch der Hinterbliebenen jedoch, denn die OLG-Richter konnten keine adäquate Bewusstseinsstörung beim Verunglückten erkennen. Eine Bewusstseinsstörung im Sinne von § 2 I (1) AUB (Allgemeine Unfallversicherungsbedingungen) 2008 läge lediglich vor, so das Oberlandesgericht, wenn gesundheitliche Beeinträchtigungen der Aufnahme- und Reaktionsfähigkeit des Versicherten dessen gebotene und erforderliche Reaktion auf die vorhandene Gefahrenlage nicht mehr zulassen. Die Klausel erfasse krankhafte oder unnatürliche Beeinträchtigungen der Sinnestätigkeit des Versicherten, nicht dagegen solche, die zum Beispiel auf natürlicher Übermüdung beruhten.

Nach Ansicht des Oberlandesgerichts habe es der Sachverständige als lediglich für möglich erachtet, dass der Sekundenschlaf aufgrund eines krankhaften Schlafapnoesyndroms verursacht worden sei. Anhaltspunkte dafür, dass der verunfallte Versicherte tatsächlich daran erkrankt war, haben jedoch nicht vorgelegen. Es bestünde daher die ernsthafte Möglichkeit, dass der für den Unfall ursächliche Sekundenschlaf auch auf natürliche Beeinträchtigungen in Form einer erheblichen Übermüdung zurückgeführt werden könne. (OLG Zweibrücken – 1 U 107/12)

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