Unfall durch Übermüdung – Mitschuld des Beifahrers?

Unfall durch Übermüdung – Mitschuld des Beifahrers?

Die Beweislast für das Mitverschulden eines Beifahrers an einem Unfall durch Übermüdung des Fahrers, liegt bei der Haftpflichtversicherung.

Quelle: Mitverschulden des Beifahrers bei Übermüdung des Fahrers? | Recht | Haufe

WKR-Erklärung: Ein Mann war am Steuer eingeschlafen, und mit dem Firmenwagen von der Straße abgekommen. Die Beifahrerin wurde bei dem Unfall erheblich verletzt. In diesem Zusammenhang verlangte sie von der Versicherung der Firma (Fahrzeughalter) Schmerzensgeld und die Kompensation des Haushaltführungsschadens. Die Versicherung sah aber bei der Beifahrerin ein Mitverschulden und begründete:

Der Unfall habe sich ereignet, weil der Fahrer nach einer langen Flugreise übermüdet gewesen und während der Fahrt eingeschlafen sei. Diese Übermüdung könne der Beifahrerin nicht verborgen geblieben sein. Sie träfe ein Mitverschulden, sie hätte die Übermüdung des Fahrers bemerken müssen.

Das Landgericht Münster sah das anders. Zwar befanden es auch die Richter für wahrscheinlich, dass der Fahrer aufgrund einer Übermüdung fahruntüchtig war, allerdings erkannten sie auch darauf, dass nicht widerlegbar sei, dass die Beifahrerin auf die Fahrtüchtigkeit des Fahrers vertraut habe. Für ihr Vertrauen in die Fahrtüchtigkeit spräche, dass auch sie eingeschlafen sei. Entscheidend sei allein, ob für die Beifahrerin vor ihrem Einschlafen und vor dem unmittelbaren Beginn der Autofahrt erkennbar war, dass der Fahrer fahruntüchtig sei. Diesen Beweis habe die Versicherung nicht erbringen können. Im Ergebnis beschied das Gericht der Beifahrerin ein Schmerzensgeld von 13.500 Euro und einen Haushaltsführungsschaden von neun Euro pro Stunde. (LG Münster – 012 O 131/16)

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