Loveparade-Prozess – Messehalle wird Gerichtssaal

Loveparade-Prozess – Messehalle wird Gerichtssaal

Es wird einer der personell größten Prozesse der deutschen Nachkriegsgeschichte. Das Landgericht Duisburg hat auf der Düsseldorfer Messe den Gerichtssaal für das Loveparade-Verfahren eingerichtet.

Quelle: LG Duisburg verhandelt Loveparade-Prozess in Messehalle

WKR-Erklärung: 24. Juli 2010, Duisburg. Ein schwarzer Tag in der Geschichte der Loveparade. 21 Besucher starben, 650 wurden verletzt, viele weitere traumatisiert.

Die Loveparade, die 1989 mit 150 Teilnehmern in Berlin erstmalig stattfand, wuchs im Laufe der Zeit zu einem Massenspektakel und galt als weltweit größte Tanzveranstaltung. Spätere Loveparades wurden von hunderttausenden Menschen besucht. 2010 diente der ehemalige Hauptgüter- und Rangierbahnhof Duisburg als Veranstaltungsgelände. Aufgrund fehlgeleiteter Besucherströme und weiterer Planungsfehler, kam es an einer Engstelle im Zugangsbereich zum Gelände zu einem tödlichen Gedränge.

Die Staatsanwaltschaft Duisburg leitete im Nachgang Ermittlungsverfahren gegen Mitarbeiter der Stadt Duisburg sowie gegen verantwortliche Mitarbeiter des Veranstalters (Lopavent GmbH) ein. Zunächst wurde festgestellt, dass es keinen hinreichenden Tatverdacht gäbe. Im März 2016 lehnte das Landgericht Duisburg die Eröffnung des Hauptverfahrens daher ab. Das Oberlandesgericht Düsseldorf hob jedoch am 18. April 2017 diesen Beschluss auf und ließ die Anklagen zu. Den Angeklagten werden unter anderem fahrlässige Tötung und fahrlässige Körperverletzung vorgeworfen.

Der Prozess soll am 8. Dezember 2017 beginnen. Weil bei 10 Angeklagten und derzeit 60 Nebenklägern viel Raum benötigt wird, hat das Gericht einen Saal auf dem Duisburger Messegelände reserviert, der sonst für Jahreshauptverhandlungen oder Kongresse genutzt wird und 500 Personen Platz bietet. Davon sollen etwa 360 Plätze Zuschauern und Medienvertretern zur Verfügung gestellt werden. Da es sich bei den Opfern der Loveparade-Katastrophe um Menschen aus fünf verschieden Nationen handelt, wird es entsprechende Simultandolmetscher geben. 111 Sitzungstermine sind allein bis Dezember 2018 geplant, drei Verhandlungstermine pro Woche angesetzt, die involvierten Richter in dieser Zeit ausschließlich mit dem Loveparade-Verfahren betraut. Bis zum 27. Juli 2020 muss ein erstinstanzliches Urteil gefällt werden. Danach verjähren die vorgeworfenen Taten.

 

 

 

 

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