Krankheitsbedingter Rücktritt von einer Prüfung erfordert unverzügliche Mitteilung

Krankheitsbedingter Rücktritt von einer Prüfung erfordert unverzügliche Mitteilung

Ein Prüfling, der wegen einer schweren Erkrankung von einer Prüfung zurücktreten will, muss den Rücktritt unverzüglich gegenüber dem Prüfungsamt geltend machen. Kommt der Prüfling dieser Mitwirkungspflicht nicht nach und nimmt er an der Prüfung teil, ist es ihm verwehrt, sich im Nachhinein auf eine Leistungseinschränkung zu berufen.

Quelle: Erkrankung vor Prüfung erfordert rasches Handeln des Prüflings

WKR-Erklärung: Aus Gründen der Chancengleichheit gegenüber anderen Prüfungsteilnehmern sind auch im Falle einer schweren, lebensbedrohlichen Erkrankung keine grundsätzlich anderen Anforderungen an die Unverzüglichkeit eines Rücktritts von einer Prüfung zu stellen.

Eine Medizinstudentin nahm im März 2016 an ihrem letzten Versuch für den schriftlichen Teil des Ersten Abschnitts der Ärztlichen Prüfung teil. Am 1. April wurde sie als Notfallpatientin ins Krankenhaus eingeliefert und bei ihr eine Lungenembolie aufgrund einer Beinvenenthrombose diagnostiziert. Am 19. April erhielt sie die Ergebnisse der Prüfung, die sie nicht bestanden hatte. Damit war die letzte Chance für die Fortsetzung des Medizinstudiums vertan. Nunmehr machte die Frau ihren nachträglichen Rücktritt von der Prüfung beim Prüfungsamt geltend und führte aus, dass sie bereits zwei Wochen vor der Prüfung durch die hernach zum medizinischen Notfall führenden Ursachen, gesundheitlich stark eingeschränkt war. Die Prüfung selbst, hätte sie nur unter zu Hilfenahme von Schmerzmitteln antreten können. Das Prüfungsamt lehnte den nachträglichen Prüfungsrücktritt ab.

Die Studentin klagte vor dem Verwaltungsgericht Mainz. Hier erkannte man darauf, dass sie keinen wichtigen Grund für den Prüfungsrücktritt geltend machen kann. Aus den Unterlagen des Krankenhauses ergebe sich nicht, dass sie bereits zum Prüfungstermin prüfungsunfähig erkrankt gewesen wäre, meinten die Juristen. Darüber hinaus hätte sie den krankheitsbezogenen Rücktrittsgrund auch dem Prüfungsamt auch nicht unverzüglich mitgeteilt. Insbesondere der Sachverhalt, dass sie das Rücktrittsbegehren erst nach dem Ablegen der Prüfung und vor allem auch erst nach Bekanntgabe der (negativen) Prüfungsergebnisse geäußert hatte, ließ den Richtern keine Alternative, als die Rücktrittserklärung als verspätet zu betrachten. Die Studentin, so das Fazit, hätte sich angesichts der schon weit vor der Prüfung beginnenden Beschwerden, bereits dann um eine ärztliche Aufklärung ihrer Prüfungstauglichkeit bemühen müssen.

Sie könne sich auch nicht darauf berufen, dass sie zum Prüfungszeitpunkt unerkannt prüfungsunfähig, also gehindert daran gewesen war, ihre Leistungseinschränkung überhaupt zu erkennen. Denn auch dann gelte, wegen der Chancengleichheit, die Pflicht, eine Prüfungsunfähigkeit unverzüglich nach dem Erkennen vorzubringen. Mit ihrer erst am 21. April erfolgten Rücktrittsmitteilung, sei sie dieser Pflicht nicht nachgekommen. Denn nach Bewertung ihrer eigenen Angaben, sei es ihr zumutbar gewesen, dem Prüfungsamt spätestens nach der Entlassung aus dem Krankenhaus, also am 6. April 2016, den krankheitsbedingten Rücktritt anzuzeigen. Auch wenn ihr Gesundheitszustand unmittelbar nach dem Krankenhausaufenthalt noch beeinträchtigt gewesen sein sollte, hätte sie mit der Mitteilung an das Prüfungsamt nicht bis zum 21. April warten dürfen, so das Urteil. (VG Mainz / 3 K 27/17.MZ)

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