Kosten für die Anmietung eines Ersatzfahrzeuges nach einem Unfall werden nicht immer voll erstattet

Kosten für die Anmietung eines Ersatzfahrzeuges nach einem Unfall werden nicht immer voll erstattet

Grundsätzlich muss der Unfallgeschädigte bei Anmietung eines Ersatfahrzeuges den günstigsten auf dem Markt erhältlichen Mietpreis wählen und ist dazu gehalten, drei Vergleichsangebote verschiedener Anbieter einzuholen. Andernfalls kann das Gericht die notwendigen Kosten schätzen.

Quelle: Ein Vergleich lohnt sich – Bayerisches Staatsministerium der Justiz

WKR-Erklärung: Ein Mann wurde am Abend des 18.05.2015 mit seinem VW Touareg unverschuldet in einen Verkehrsunfall verwickelt und mietete noch am gleichen Abend für die Zeit der Reparatur seines Wagens (19.05.2015 bis 01.06.2015) ein baugleiches Ersatzfahrzeug. Hierfür wurden ihm insgesamt 2.225,81 € in Rechnung gestellt. Die Haftpflichtversicherung des Unfallschädigers beglich jedoch nur 691,00 € für die Mietwagenkosten und lehnte eine weitere Zahlung ab. Die Begründung: Der Geschädigte hätte Vergleichsangebote verschiedener Mietwagenfirmen einholen und dann das
günstigste auswählen müssen. Der Geschädigte wiederum erklärte, dass ihm dies unter den gegebenen Umständen gerade nicht möglich gewesen sei.

Das Amtsgericht Ansbach gestand dem Geschädigten zumindest
weitere 695,23 € zu und führte aus, dass die Mietwagenkosten grundsätzlich, soweit erforderlich, vom Unfallschädiger zu ersetzen sein, schränkte aber ein, dass nur solche Kosten als „erforderlich“ zu betrachten wären, die ein verständiger, wirtschaftlich denkender Mensch in der konkreten Situation des Geschädigten machen würde. Daher habe der Geschädigte den günstigsten auf dem Markt erhältlichen Mietpreis zu wählen, und sei dazu gehalten, drei Vergleichsangebote verschiedener Anbieter
einzuholen. Tue er dies nicht, erfolge eine Schätzung der notwendigen Kosten durch das Gericht.

Allerdings fügten die Richter hinzu, dürfe vom Geschädigten auch nichts Unmögliches verlangt werden. Läge zum Zeitpunkt der Anmietung für den Geschädigten eine besondere Eil- und Notsituation vor, etwa weil es schon spät am Abend sei und der Geschädigte beruflich auf ein Fahrzeug angewiesen ist, so ist eine sofortige Recherche nach Vergleichsangeboten nicht zu verlangen. Mit zunehmender Mietdauer könne diese Eil- und Notsituation aber wieder an Bedeutung verlieren. Dies hatte im vorliegenden Fall zur Folge, dass der Geschädigte seine Mietwagenkosten für die Zeit vom 18.05.2015 bis zum 23.05.2015 voll, aber für die Zeit vom 24.05.2016 bis zum 01.06.2015 lediglich teilweise ersetzt erhielt. Dazu führten die Amtsrichter aus, dass in der ersten Zeit für den Geschädigten durchaus die geforderte Eil- und Notsituation vorgelegen habe, ab dem 24.06.2015 jedoch nicht mehr. Weil der Geschädigte danach keine Vergleichsangebote eingeholt hatte, schätzte das Gericht die notwendigen Mietwagenkosten für diese Zeit unter Zugrundelegung eines Mietpreisspiegels. (Urteil vom 29.06.2017, Az. 2 C 1513/16)

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