Radfahren bei gleichzeitiger Führung eines Hundes an einer Leine erhöht das Haftungsrisiko

Radfahren bei gleichzeitiger Führung eines Hundes an einer Leine erhöht das Haftungsrisiko

Wer mit Hunden an der Leine Fahrrad fährt, geht erhebliche Risiken ein und muss sich deshalb äußerst vorausschauend verhalten.

Quelle: Schmerzensgeldanspruch: Fahrradfahren mit Hund | Recht | Haufe

WKR-Erklärung: Fahrradfahrer mit Hund müssen im Sinne der Straßenverkehrsordnung sicherstellen, dass die Beherrschung des Fahrrades nicht durch das Tier beeinträchtigt wird.

Ein Radfahrer der zwei Schäferhunde neben seinem Rad an der Leine führte war gestürzt, nachdem der freilaufende Hund eines Fußgängers auf ihn zugelaufen war und ihn zu einem aprubten Bremsmanöver gezwungen hatte. Beim Sturz verletzte sich der Radfahrer erheblich an der Hand und musste 18 Tage krankgeschrieben werden. Der Radfahrer verlangte vom Fußgänger Schadenersatz.

Zwar befanden die Richter des Amtsgerichtes Steinfurt, dass grundsätzlich 800 Euro Schmerzensgeld anzusetzen seien, gestanden dem Radfahrer jedoch nur 200 Euro davon zu, denn das Unfallmitverschulden des Radfahrer bewerteten sie mit einer Quote von 75 Prozent. Dieser Meinung schloss sich auch das Landgericht Münster an und bestätigte: Mit zwei Hunden an der Leine, müsse sich der Radfahrer eine äußerst gefährliche Fahrweise zurechnen lassen. § 28 Absatz 1 Satz. 3 und 4 der Straßenverkehrsordnung verbieten im Interesse der Verkehrssicherheit grundsätzlich das Führen von Tieren von Fahrzeugen aus. Ausgenommen von dieser Regel seien nur größere (folgsame) Hunde hinter Fahrrädern.

Die Beeinträchtigung der Verkehrssicherheit sei vorliegend schon dadurch gegeben, dass der Radfahrer im Falle eines Rechtsabbiegens keine Richtungsanzeige hätte geben können und ein Linksabbiegen zur Richtungsanzeige sogar ein freihändiges Fahren erfordert hätte. Insbesondere aber wiesen die Richter drauf hin, dass der Fahrradfahrer rechtzeitig hätte reagieren müssen, als er sah, dass er sich einem Fußgänger mit freilaufendem Hund näherte. Er hätte entweder die Geschwindigkeit reduzieren oder sogar absteigen müssen. (LG Münster, Urteil v. 16.12.2015, 01 S 56/15)

Anmerkung: Um Risiken beim Radfahren mit einem Hund zu reduzieren, empfiehlt sich die Verwendung einer speziellen Hundehalterung, mit der eine Hundeleine gefedert und am Fahrrad befestigt werden kann. Das erlaubt dem Radfahrer, beide Hände zum Führen des Fahrrades zu nutzen.

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