Keine Schadenshaftung bei sozialadäquater Verursachung des Fehlverhaltens eines Pferdes

Keine Schadenshaftung bei sozialadäquater Verursachung des Fehlverhaltens eines Pferdes

Verursacht ein Dritter das Fehlverhalten eines Tieres und entsteht hierdurch ein Schaden, haftet er nur, insofern er sich bei der Verursachung nicht sozialadäquat verhalten hat.

Quelle: www.anwaltonline.com

WKR-Erklärung: Eine Frau besuchte mit ihren drei und fünf Jahre alten Enkeln eine Reithalle in Nürnberg. Damit der dreijährige Enkel besser sehen konnte, setzte die Frau diesen auf die Holzbande, die den Zuschauerbereich vom Reitbereich trennte. Der Enkel schlug mit seinen Füßen gegen die Bande, wodurch Poltergeräusche entstanden. Die spätere Klägerin führte ihr Pferd am Zügel durch die Halle. Durch das von dem Enkel der Beklagten verursachte Poltergeräusch erschrak das Pferd und machte eine Rückwärtsbewegung. Durch diese Bewegung rutschte die Hand der Pferdeführerin in den Zügel und wurde nach hinten gerissen. Dadurch erlitt sie eine Schulterverletzung für die sie ein Schmerzensgeld in Höhe von 3.000 Euro sowie Ersatz des Haushaltsführungsschadens von 1.879 Euro verlangte.

Die dahin gerichtete Klage wies das Amtsgericht Nürnberg jedoch ab. Dabei ging es grundsätzlich davon aus, dass sich der Vorfall so zutrug, wie ihn die Pferdeführerin geschildert hatte, verneinte aber aus rechtlichen Gründen eine Haftung der Großmutter. Zwar sei das Verhalten des Enkels ergo der Großmutter für die Verletzungen bedingt ursächlich, dies genüge aber nicht für eine Haftung, befanden die Richter. Für eine Haftung sei zusätzlich erforderlich, dass ein Schaden einem Beklagten auch adäquat zurechenbar sei. Vorliegend fehle es an dieser Voraussetzung.

Die Großmutter habe sich überwiegend sozialadäquat verhalten, da der Besuch der Reithalle grundsätzlich erlaubt sei. Es sei auch nachvollziehbar, dass sie ihrem Enkel ermöglichen wollte, den Reitern besser zusehen zu können. Zwar habe sie geringfügig eine Grenze überschritten, da sie die Füße des Kindes in das Reitfeld hineinragen ließ, maßgeblich für die Verletzungen der Pferdeführerin war das nach Ansicht der Richter jedoch nicht, sondern das Verhalten des Pferdes, welches grundsätzlich in der Sphäre der Pferdeführerin lag. Für die Großmutter sei nicht vorhersehbar und vermeidbar gewesen, dass das Pferd auf das vom Enkel verursachte Poltergeräusch so schreckhaft reagieren würde. Zudem sei die Großmutter auch vor Betreten der Reithalle nicht darauf hingewiesen worden, dass man sich dort geräuscharm verhalten müsse. Ein solcher Hinweis hätte explizit beinhalten müssen, dass Pferde auch durch alltägliche Geräusche erschreckt werden könnten. (AG Nürnberg, 13.07.2017 – 239 C 1390/17)

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