Sorgerecht


Elterliche Sorge ist gemeinsames elterliches Recht und elterliche Pflicht

Eltern können sich voneinander, aber nicht von ihren Kindern scheiden lassen. Trennen sich miteinander verheiratete Elternpaare, müssen sie die elterliche Sorge für ihre aus der Ehe hervorgegangenen gemeinsamen Kinder gemeinsam ausüben. Das erfordert Gesprächsbereitschaft und Kompromissfähigkeit in einer Lebensphase, die von Ablösung und Trennung beherrscht wird.

Kindeswohl hat immer Vorrang

Das Wohl des minderjährigen Kindes soll nach dem Willen des Gesetzgebers vorrangig beachtet werden, wenn Eltern auseinandergehen. Zum Bereich der elterlichen Sorge gehört das Aufenthaltsbestimmungsrecht, das Recht, medizinischen Eingriffen zuzustimmen oder sie abzulehnen, und das Recht, über die schulische und berufliche Ausbildung des Kindes zu bestimmen. Wichtig ist zunächst, festzulegen, wo sich der Lebensmittelpunkt des Kindes befinden soll.

Kriterien für das Kindeswohl bei der Aufenthaltsbestimmung

Wesentliche Faktoren, die bei der Auswahl des Aufenthaltsbestimmungsberechtigten im Interesse des Kindeswohls zu beachten sind, sind:

  • Kontinuität des Umfelds,
  • Schul- oder Kindergartenbesuch,
  • Nähe zu Verwandten oder anderen engen Bezugspersonen,
  • Intensität des Kontakts zu einem Elternteil

Im Zweifelsfall ist das Kind im Bereich der letzten gemeinsamen Ehewohnung gut aufgehoben, wo es seine sozialen Kontakte außerhalb der Kernfamilie hat. Bestimmte Entwicklungsphasen können allerdings auch einen Umzug erleichtern, beispielsweise die bevorstehende Einschulung oder die neue Anmeldung zur Kita.

Betreuung und Versorgung muss geplant werden

Meistens behalten die Mütter das Aufenthaltsbestimmungsrecht für die Kinder. Auch Väter haben durchaus eine Chance, müssen sich aber ausreichend Gedanken darüber machen, wie sie die täglich notwendige Versorgung des Kindes konkret organisieren wollen. Oftmals wird auch heute noch davon ausgegangen, dass Mütter mit mehr Verantwortungsgefühl für Kinder sorgen als Väter. Der Anwalt für Familienrecht kann Vätern den Weg aufzeigen, wie sie ihre Kinder im eigenen Haushalt behalten können.

Bei Kindeswohlgefährdung Übertragung von Alleinsorgerecht möglich

Die gemeinsame Sorgerechtsausübung geht nach aktueller Rechtslage auch nach rechtskräftiger Ehescheidung weiter. Wenn kein Elternteil einen Antrag auf die Übertragung der alleinigen elterlichen Sorge stellt, wird die elterliche Sorge nicht mehr als Folgesache im Ehescheidungsverfahren behandelt.
Hat ein Elternteil das Gefühl, dass das gemeinsame Recht zur elterlichen Sorge dem Kind nicht guttut und es nicht angemessen versorgt wird, kann er beim zuständigen Familiengericht die Übertragung des alleinigen Rechts zur elterlichen Sorge beantragen. Der Antrag muss nicht von einem Rechtsanwalt gestellt werden. Es ist allerdings zu empfehlen, sich vor einem derartigen Schritt ausführlich von einem Anwalt für Familienrecht beraten zu lassen.

Vollständiger Sorgerechtsentzug nur in Ausnahmefällen

Die alleinige Sorgerechtsübertragung bedeutet für den anderen Elternteil den Sorgerechtsentzug. Das ist die letzte mögliche Maßnahme, die vom Familiengericht nur dann in Betracht gezogen wird, wenn vom betroffenen Elternteils wirklich erhebliche Gefahren für das Kindeswohl ausgehen. Das wäre dann der Fall, wenn der Elternteil wegen Alkohol- oder Drogensucht nicht zur Erziehung von Kindern geeignet wäre oder wenn durch seinen Lebenswandel Gefahren im Umfeld drohen. Wenn zu befürchten ist, dass ein Elternteil Kindesvermögen veruntreut oder wenn ein Sorgerechtsmissbrauch zu befürchten ist, muss das Sorgerecht aberkannt werden. Die Eignung zur Kindererziehung kann allerdings auch dann in Zweifel gezogen werden, wenn ein Elternteil wiederholt den Umgang des Kindes mit dem anderen Elternteil vereitelt und das Kind negativ beeinflusst.

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