Scheidungen


Ehescheidungen: Zerrüttungsvermutung und Anwaltszwang

Die Zahl der Ehescheidungen in Deutschland geht seit mehreren Jahren leicht zurück. Wenn Ehen scheitern, tun sie es häufig nach 6 bis 10 Jahren. Meistens macht die Frau den ersten Schritt, um eine Ehe, die zerrüttet ist, auch auf dem Papier zu beenden.

Die Suche nach dem richtigen Scheidungsanwalt

Wer seine Ehe scheiden lassen will, der braucht gemäß § 114 FamFG einen Anwalt, der für ihn den Scheidungsantrag bei dem zuständigen Familiengericht einreicht. Der Anwalt im Familienrecht muss für die Vertretung im Scheidungsverfahren ausdrücklich bevollmächtigt werden. Die notwendige Vollmacht bezieht sich auch auf die Vertretung in den Scheidungsfolgesachen.

Einverständlich oder streitig?

Grundvoraussetzung für die Zulässigkeit des Scheidungsantrags ist eine Trennungszeit, die mindestens 1 Jahr betragen muss. Innerhalb des Trennungsjahrs zeigt sich, ob das Scheidungsverfahren einverständlich oder streitig durchgeführt werden wird. Einverständnis im Scheidungsverfahren spart Zeit und Geld. Wesentliche Regelungspunkte können schon während der Trennungszeit abgearbeitet werden. Dem Gericht wird dann mit dem Scheidungsantrag vom Rechtsanwalt eine Scheidungsfolgenvereinbarung übermittelt. Aufgrund der klaren Ausgangslage können die Parteien in der Praxis darauf hoffen, dass der Verhandlungstermin für ihr Scheidungsverfahren anderen, komplizierteren Verfahren vorgezogen wird.
Bleiben Verhandlungsversuche während des ersten Trennungsjahres erfolglos, kann der Scheidungsantrag im streitigen Verfahren nach Ablauf von insgesamt 3 Jahren Trennungszeit beantragt werden. Scheidungsfolgesachen wie Ehewohnung, Hausratsverteilung, Vermögensauseinandersetzung, Ausgleich von Versorgungsansprüchen und Unterhalt müssen jeweils streitig entschieden werden.

Trennung muss von beiden Partnern wahrgenommen werden

Die Ausgestaltung der Trennungszeit ist den Parteien des Scheidungsverfahrens weitgehend selbst überlassen. Bei einer streitigen Ehescheidung ist es wichtig, dass der scheidungsunwillige Ehegatte die Trennung anerkennt. Aus wirtschaftlichen und organisatorischen Gründen wird es nicht immer möglich sein, dass einer der getrennt lebenden Ehegatten aus der Ehewohnung auszieht. Im Streitfall kann das Familiengericht eine Aufteilung der letzten gemeinsamen Ehewohnung verfügen, die von den streitenden Partnern eingehalten werden muss. Neue Partner dürfen in dieser Situation nicht mit in die Wohnung gebracht werden. Nur im Ausnahmefall, dass es nachweislich zu gewaltsamen Übergriffen zwischen den Ehepartnern kommt, ist es möglich, für den Ehegatten, der aus der Ehe hervorgegangene, minderjährige Kinder versorgt, die Zuweisung der gesamten Ehewohnung zur alleinigen Nutzung zu beantragen. Normale Streitigkeiten, die im Rahmen einer Trennung vorkommen, werden von den Familiengerichten nicht als Grund für die Zuweisung der Ehewohnung anerkannt.

Härtescheidung: Ausnahmefall bei Gewalteskalation

Sind gewalttätige Übergriffe der Grund dafür, den Ehescheidungsantrag zu stellen, kann ausnahmsweise auf das Trennungsjahr verzichtet werden. Bei der Härtescheidung muss der Antragsteller jedoch beweisen, dass er tatsächlich vom anderen Ehegatten körperlich angegriffen wurde. Gelingt dieser Beweis anhand eines ärztlichen Attests oder eines Einsatzberichts der Polizei, ist es dem Betroffenen nicht zuzumuten, die Ehe weiterzuführen und das Trennungsjahr abzuwarten. Der Anwalt für Familienrecht kann den Ehescheidungsantrag sofort beim Familiengericht einreichen.

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